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Podiumsdiskussion mit OB-Kandidaten zur Inklusion

Der Gedanke der Inklusion ist in der Bevölkerung fest verankert. Dieser Überzeugung sind alle drei OB-Kandidaten, die sich am 9. Februar im Mainzer Rathaus den Fragen der Lebenshilfe Mainz-Bingen und ihrer Gäste stellten. Auch wenn nicht jeder Mainzer den Begriff erklären könne, so sind nach Ansicht von Lukas Augustin (CDU), Günther Beck(Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Ebling (SPD) die Bürger dieser Stadt doch einig darüber, dass jeder Mensch ein Recht auf Teilhabe, Bildung und Selbstbestimmung habe.

Unterschiedliche Herangehensweise

Mainz habe im Hinblick auf die Inklusion einen guten Ruf und werde seiner Vorreiterrolle im Land gerecht, stellten die drei Kandidaten übereinstimmend fest. Deutliche Unterschiede gab es aber in ihrer Zukunftsstrategie. Für Michael Ebling ist es eine Frage der Gerechtigkeit, allen Menschen eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Deshalb müsse man zuerst Schwerpunkte in der Sozialpolitik definieren und dann fragen, wie diese Ziele angesichts leerer Haushaltskassen finanziert werden sollen. Lukas Augustin plädierte für eine Politik der kleinen Schritte. Er hält es für richtiger, einen Zeitplan aufzustellen und die Ziele der Inklusion nach und nach zu verwirklichen. Augustin warnte davor, den nachfolgenden Generationen noch mehr Schulden zu vererben.

Günther Beck, Finanzdezernent und derzeit amtierender Oberbürgermeister, stellte die Finanzsituation in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Inklusion sei ein langwieriger Prozess. Man müsse fragen, was machbar sei und das dann zunächst modellhaft umsetzen, meinte er. Dass der Staat seine Pflichtleistungen ohne wenn und aber erbringen muss, ist für alle drei Kandidaten gleichermaßen selbstverständlich.

Inklusion nur ein Sparmodell?

Der Vorsitzende der Lebenshilfe Mainz-Bingen, Michael Hartwig, hatte die zahlreichen Besucher in seiner Begrüßung auf die vielen Probleme hingewiesen, mit denen die Menschen mit geistiger Behinderung und die Anbieter von Betreuungsleistungen noch immer zu kämpfen haben. Der Kostendruck auf die Städte und Landkreise sei so gewaltig, dass immer häufiger nachgefragt werde, ob bestimmte Leistungen notwendig seien oder zu einem geringeren Preis erbracht werden könnten. Außerdem fehle immer noch Wohnraum für Menschen mit Behinderungen, die selbständig leben möchten. „Wir haben Angst davor, dass das Erreichte unter dem Deckmantel der Inklusion reduziert wird“, sagte Hartwig. Das Resümee dürfe nicht lauten: „Es fehlt das Geld und darum geht nichts“.

In der Diskussion, die von den „Antenne Mainz“-Moderatoren Michael Bonewitz und Volker Pietzsch geleitet wurde, kamen auch zahlreiche Besucher zu Wort. Dabei zeigte sich, dass das Thema Inklusion unter den Betroffenen bisweilen kontrovers diskutiert wird und nicht nur für Menschen mit geistiger Behinderung interessant ist. Die Mutter eines Kindes mit starker Beeinträchtigung bat darum, Inklusion „nicht zu weit zu treiben“ und jedem Menschen die Wahl zu lassen, welche Bildungseinrichtung er besuchen möchte. Eine Vertreterin von Menschen mit psychischer Behinderung mahnte an, dieses Krankheitsbild in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Interessenverband und qualifizierter Anbieter

Auf die Frage, welches Bild sie von der Lebenshilfe Mainz-Bingen hätten, waren sich die drei Kandidaten nach zweistündiger Diskussion einig: Laut Lukas Augustin „erfüllt sie eine wichtige soziale Aufgabe in Mainz“, Michael Ebling sieht sie als „professionellen und qualifizierten Anbieter, der mitten im Leben der Stadt steht“ und Günther Beck bescheinigte ihr, „einer der hochqualifizierten Träger“ zu sein, „die in Mainz gute Arbeit im sozialen Bereich“ leisten. Vorsitzender Hartwig gab ihnen mit auf den Weg, dass die Lebenshilfe Mainz-Bingen vor allem der örtliche Interessenverband für die Belange von  Menschen mit geistiger Behinderung ist.